18 Raumplaner*innen und ein Journalist haben sich auf den Weg gemacht, um das Lesachtal zu erkunden. Sie sammeln und erzählen Geschichten, die zeigen, was dieses Tal einzigartig macht und wie Landleben funktioniert. Ein Experiment.

| EDITORIAL |

Wer nach Obergail möchte, muss entweder gut zu Fuß sein oder ein Auto haben. Jedenfalls erreicht man den Ort und unser Basislager nur über eine einzige Straße mit ziemlich vielen, ziemlich engen Kurven. Trotzdem kommen wir alle heil an. Die Straße bleibt allerdings nicht heil – das Unwetter der vergangenen Wochen hat den Hang rutschen lassen. Die Straße wird am Tag nach unserer Ankunft gesperrt, wir sind eingeschlossen. 18 Raumplaner*innen und ein Journalist werden nervös, unsere Gastgeber*innen Helene und Pepi bleiben ruhig.

Wir positionieren Autos diesseits und jenseits der Sperre, bilden Fahrgemeinschaften – haben alle festes Schuhwerk, um den abgerutschten Hang zu passieren? Milch bekommen wir dort, Eier hat die Nachbarin, Brot können wir backen, Mehl gibt es nebenan. Und siehe da, alles funktioniert. Das Dorfleben funktioniert trotz aller Widrigkeiten. Aber wie genau? Wie funktioniert das Leben am Land, wer sind die Menschen, die das Rad am Laufen halten und was sind ihre Geschichten?

Hier erzählen wir die Geschichten, die vielleicht für „mehr als Obergail“ stehen.

Leute, das war Obergail!

| CHRISTOPH SCHATTLEITNER | Wie ich einmal eingeladen wurde, Raumplanungs-Studierenden das journalistische Handwerk näher zu bringen, und dabei erkannte, was Journalismus eigentlich ist.

1 Dorf. 28 Häuser. 65 Menschen. und noch mehr Geschichten

| KATJA KREITNER | Es gibt nicht viele Gebäude in Obergail, trotzdem prägen sie essentiell das Bild des kleinen Ortes. Die Geschichte der Häuser und der Menschen, die sie zum Leben erwecken, machen dieses Dorf aus. Hier werden sie erzählt.

Wenn’s wirklich wichtig ist, dann lieber mit Friedl

| PHILIPPE KAYSER | Friedl ist Briefträger am Land und das heißt: Er liefert Briefe an den Stammtisch des Wirtshauses aus, hat keine Angst vor Hunden, aber vor Hähnen und weiß bei einigen Häusern, wo der Schlüssel versteckt liegt. Mein Tag als Lehrling beim routinierten Briefträger aus Klebas.

Frauen und die Gemeindepolitik

| CLAUDIA SCHAEFERS | In einem Gemeinderat, irgendwo in Österreich, sitzen ausschließlich Männer. Der Bürgermeister weist die Verantwortung von sich; er habe sich aktiv auf die Suche nach Frauen begeben. Seine einzige Kandidatin, Elisa F., habe ihm dann aber doch abgesagt, weil sie sich am Werbefoto nicht gefallen haben soll. Wir haben bei ihr nachgefragt.

„Ohne Zuwanderung wird es nicht möglich sein“

| LUCA BIERKLE & TOBIAS REISENBICHLER | Die Gemeinde Lesachtal kämpft wie viele andere ländliche Gemeinden mit Abwanderung und sinkenden Geburtenzahlen. Wir haben Bürgermeister Johann Windbichler (ÖVP) zu Strategien und Möglichkeiten befragt, wie der gegenwärtigen Schrumpfung entgegengewirkt werden kann und die Potenziale von Zuzug aus anderen Gesellschaftsschichten und Kulturkreisen diskutiert. Ein Interview.

Leben nach dem Sturm: Lesachtaler*innen erzählen

| ANTONIA SCHNEIDER | Drei Wochen vor dem Beginn unserer Exkursion sitzen wir ungläubig vor Medienberichten. Unser Ziel, das Lesachtal, ist „von der Außenwelt abgeschnitten“. Wir sehen Bilder von gebrochenen Dämmen, abgedeckten Häusern, umgestürzten Bäumen. Wird es überhaupt eine passierbare Straße geben? Vor Ort erkennen wir jedoch, dass die Bevölkerung einen ganz eigenen Weg gefunden hat, um mit dem schwierigen Thema umzugehen.

„Man macht weiter und bleibt optimistisch“

| CHRISTOPH LEINER | Maria hat ihr ganzes Leben der Fortführung des elterlichen Bauernhofes verschrieben. Jedoch möchte keines ihrer Kinder den Betrieb übernehmen. Sie hofft dennoch, dass es irgendwie weitergehen wird. Ein Porträt.

Können Dörfer sterben?

| GORDON KRIWANEK | Ganz ähnlich wie sich der Mann in „Ein Haus in Spanien“ fragt, ob man Dinge lieben kann, frage ich mich, ob Dörfer sterben können. Eine Meditation.

Ist das Lesachtal Europas naturbelassenstes Tal?

| ANTONIA SCHNEIDER | „Willkommen im naturbelassensten Tal Europas”, heißt es auf der Homepage des Lesachtaler Tourismusverbands. Aber stimmt das? Und was bedeutet das für Tourismus und Umwelt? Eine Überlegung.

Nachts im Tresor

| MAX MUTZ | Fragt man nach den Ausgehmöglichkeiten von Kötschach-Mauthen bis Unterdilliach, so wird einem ausnahmslos der Tresor empfohlen. Mit der Schließung des Musicpubs* fällt nun ein bedeutender Anlaufpunkt für Jugendliche weg. Max Mutz erklärt die Hintergründe.

Wer glaubt denn nicht an die Zukunft?

| KOLOMAN KÖCK | 1993 filmt der ORF im Lesachtal. Die Reportage trägt den Titel „Wer glaubt noch an die Zukunft?“ und deutet damit eine fehlende Perspektive für das Lesachtal an. Ich sage, 25 Jahre später gibt es weiterhin Hoffnung.

Hannes geht nicht ins Wirtshaus

| TOBIAS REISENBICHLER & LUCA BIERKLE | „Ja, die Leute gehen ins Wirtshaus, trinken vier, fünf oder zehn Bier, reden deppad und ab und zu machen sie halt Blasmusik. Das ist ihr ganzes Leben.“

Eine Tour durch Obergail

| CHRISTOPH LEINER | Ich habe eine Wandertour durch das überschaubare Örtchen Obergail unternommen und dabei meine persönlichen Eindrücke dokumentiert. Es ist erstaunlich, was ich im Rahmen meiner kurzen Dorfbegehung alles gesehen und erlebt habe. Begleitet mich auf meinem Fußmarsch durch Obergail!

Aufg‘spielt wird!

| CLAUDIA SCHAEFERS & FABIAN UNTERKOFLER | Jede*r aus Obergail, ob alt oder jung, spielt ein Musikinstrument. Wir haben die Volksmusikakademie in Liesing besucht, bei den Proben zugehört, Fragen gestellt und selbst ausprobiert.

Springen wollen

| GORDON KRIWANEK | Ein kurzer Gedanke übers Geschichtenerzählen.

Fotoreportage „Stillleben vom Land“

| VALENTINA KOFLER | Ich habe versucht, frei nach Goethe „das Ganze im Kleinsten zu erblicken“ und das Besondere im Banalen zu sehen – und in Bildern festzuhalten. Lange hinsehen lohnt sich.

Mehr als Lehre in Obergail

| ISABEL STUMFOL | Eine Universität geht nach Obergail und dann passiert etwas, das ich als gute Lehre bezeichne. Ein Erklärungsversuch aus meiner Perspektive.