Was steckt hinter dem Label „Slow Food-Region Gailtal / Lesachtal“?

Schafft die Slow Food-Marke nachhaltigen Tourismus in der Region, oder handelt es sich nur um ein Marketing Label? Ich habe mich vor Ort umgehört.

Jede Region ist eine Marke

Es ist heutzutage wohl kaum möglich, Urlaub in einer Region zu machen, die nicht von den Verantwortlichen vor Ort vermarktet wird. Egal, ob in der Radreiseregion, Nationalparkregion, Weinbauregion Neusiedlersee, der Via Culinaria, Sportwelt, Skiregion Salzburgerland  oder einer der 113 Genussregionen in Österreich. Das Lesachtal wird auf unterschiedlichste Weise vermarktet: Mit dem „naturbelassensten Tal Europas“, „Landschaft des Jahres“ oder „schönstes Hochtal der Alpen“ steht dabei die Landschaft im Vordergrund.

Vor drei Jahren wurde das Lesachtal in die Gemeinschaft der Slow Food-Regionen aufgenommen. Der Obmann des Tourismusverbands Nikolaus Lanner (Wander-Niki) erzählt mir, dass die die Slow Food-Idee vor allem bei den klein strukturierten Bauernhöfen auf fruchtbaren Boden stieß. Traditionelle Handarbeit, regionale Lebensmittelproduktion sowie das Kochen und Backen nach alten Rezepten hätten schon länger einen hohen Stellenwert in der Region, erklärt er. Und viele dieser Strukturen konnten problemlos in das Slow Food-Travel-Konzept übernommen werden. Die Region hat die Philosophie schon gelebt, da habe es noch gar kein Label dafür gegeben.

Was bei der Tourismussitzung passiert ist

Um das Konzept näher kennenzulernen, besuche ich mit meiner Kollegin Antonia die Sitzung des Tourismusverbands Lesachtal. Gleich zu Beginn werden wir allen Teilnehmenden vorgestellt. Und ich komme ins Gespräch mit Leo Salcher, der das „Gasthof zur Post“ und eine Fleischerei betreibt (und früher die Bar „Tresor“ schupfte). Er erzählt, dass er „Slow Food“ nicht wirklich traut. Angeblich, sagt er, wollten die Slow-Food-Restaurants sein Fleisch nicht; es sei zu teuer.

Tourivb

An dieser Stelle schaltet sich eine Frau, Andrea Unterguggenberger, in das Gespräch ein. Die Philosophie hinter „Slow Food“ sei gut, nur die Marke schrecke viele ab, meint sie. Ein englischer Titel passe nicht, um die Regionalität von Produkten zu unterstreichen. Viele störe auch, dass die Anforderungen, um als „Slow Food“ bezeichnet zu werden, sehr hoch seien und deshalb ein sehr exklusiver Club von teilnehmenden Betrieben entstehe (was man meiner Meinung nach auch als Qualitätsiegel auslegen könnte). Bevor wir drei uns einig werden können, klopft jemand mit der Faust auf den Tisch. Die Sitzung beginnt.

Mein Resümee

Nach allem, was ich über „Slow Food“ gelesen und gehört habe, muss ich sagen: Das Konzept hinter dem Label scheint ein gutes zu sein, um die Region nachhaltig in die Zukunft zu führen. Aber: Nur „Slow Food“ oder eine anderes Label wird die Region nicht vorantreiben. Es bedarf vor allem des Willens der Leute vor Ort, die Region zum Erfolg zu führen. Ich glaube, dass die Lesachtaler Verantwortlichen fähig und willig sind, das Thema voranzutreiben. „Slow Food“ ist auch deshalb ein gutes Vorbild, weil es die regionalen Betriebe miteinander vernetzt. Wenn sie dann auch noch – wie im Lesachtal – die Philosophie leben, können sie Gästen einen authentischen Urlaub bieten.

Glossar

Bei dem Begriff „Slow Food“ ist einmal zwischen der Slow Food-Philosophie und der gleichnamigen Non-Profit-Organisation zu unterscheiden. Die Organisation konzentriert sich auf die Vermarktung der teilnehmenden Regionen, die Philosophie beschäftigt sich mit der traditionellen und nicht industrialisierten Produktion von Lebensmitteln. Einzigartige und besonders gute Lebensmittel werden in die Arche des Geschmacks, eine Liste mit besonders schützenswerten Schmankerln, eingetragen und zertifiziert.

Slow Food wurde in Italien als Gegenbewegung zur Globalisierung der Nahrungsmittelproduktion und einem aufkommenden Fastfood-Trend gegründet. Die Vermarktung und Organisation übernehmen lokale Akteure, sogenannte Convinien.

Schreibe mir gern eine Email!

 

 

 

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