Hannes geht nicht ins Wirtshaus

„Die Leute gehen ins Wirtshaus, trinken vier, fünf oder zehn Bier, reden deppad und ab und zu machen sie halt Blasmusik. Das ist ihr ganzes Leben.“

Hannes, Mitte 60, ist irgendwo auf einem der Berge im Lesachtal, Kärnten aufgewachsen. Mit 14 Jahren verlässt er das Land und zieht in die Stadt. Er wohnt und arbeitet in Klagenfurt, Wien, Mailand und im Elsass. Dort will er die Welt verändern, die Welt verstehen und kennenlernen. 40 Jahre später kehrt er an den Ort seiner Geburt zurück. Für Hannes zählt die Eigenständigkeit, die Unabhängigkeit. Die „oberflächliche“ Gemeinschaft im Dorf lehnt er ab.

„Mehr als Obergail“: Was hat Sie wieder da hergeführt?

Hannes: Ich habe die Städte, also die Kultur, den Stress, den Verkehr und das Burnout hinter mir gelassen und bin wieder dahin zurück, wo ich eigentlich aufgewachsen bin.

Wie glauben Sie, läuft der Alltag der anderen Bewohner*innen des Tals ab?

Du musst innovativ sein, egal ob im Fremdenverkehr oder auch im Handwerk, dazu ein Bauernhof als Hobby und dir wird hier wenig fehlen. Wenn du nur am Bauernhof arbeitest und keinen Nebenerwerb hast, dann wirst du so enden wie der da oben. Die machen nur Landwirtschaft. Die haben drei Kühe. Früher waren es fünf. Bald wahrscheinlich nur mehr zwei.

Warum glauben Sie, werden die da oben bald nur mehr zwei Kühe haben?

Für die, die nur wie früher ihre Kühe füttern und melken, sonst aber nichts tun, ist es schwer. Wenn du da rauf gehst, die haben eine Küche, da ist ein Herd drinnen, der mit Holz beheizt wird. Nie ausgemalt und die Wände schwarz vom Ruß. So wie damals in meiner Kindheit. Eine Frau hat er keine gekriegt, oder keine wollen, was weiß ich. Wenn der da oben stirbt, dann ist es aus, dann ist es wieder einer weniger. So verschwindet einer nach dem anderen.

Dann kommt irgendein Wiener oder ein Deutscher und sagt, da oben gefällts mir, die 200.000 oder 300.000 Euro investiere ich, dann habe ich meine Ranch da oben.

„Ja, die Leute gehen ins Wirtshaus, trinken vier, fünf oder zehn Bier, reden deppad und ab und zu machen sie halt Blasmusik. Das ist ihr ganzes Leben.“

Das klingt ziemlich traurig bzw. einsam. Wie gestaltet sich das Sozialleben in der Gemeinde?

Zwischen 30 und 50 Prozent der Leute sind in Vereinen. Die Vereine und der Pfarrer versuchen einen möglichst großen Anteil der Bevölkerung an sich zu ziehen. Zugespitzt sind die Frauen beim Gesangsverein, die Männer bei der freiwilligen Feuerwehr oder im Wirtshaus.

Sie gehen nicht ins Wirtshaus?

Nein, ich mach das nicht. Weil es sind immer dieselben Typen dort. Dasselbe Gespräch. Sie brauchen irgendeinen Bösen, über den sie herziehen können und je mehr ihnen einfällt, desto lustiger wird’s. Ich bin schon ein Außenseiter hier, mir ist das aber egal.

Mit lustiger meinen Sie betrunkener?

Ja, die Leute gehen ins Wirtshaus, trinken vier, fünf oder zehn Bier, reden deppad und ab und zu machen sie halt Blasmusik. Das ist ihr ganzes Leben.

Sind das dann nur ältere Leute oder kommt da Jung und Alt zusammen?

Jung und Alt ist eine Riege*, das Alter spielt dabei keine Rolle. Viele Junge gehen aber ins Gymnasium nach Hermagor oder Klagenfurt. Die Gescheiten bleiben dann in der Stadt, weil sie sagen, ich geh da nicht mehr zurück. Und die machen irgendwo Karriere, egal wo, ob an der Universität oder im Beruf. Die anderen, die nicht so gescheit sind, die gehen ins Gasthaus. Ganz einfach.

*eine Vereinsabteilung

Die Zukunft?

Wer hierherziehen will, muss irgendwie Individualist* sein und wer große Karrierepläne hat, ist hier natürlich fehl am Platz. Ob jung oder alt spielt dabei keine Rolle.

Es ist natürlich auch immer so, dass wenn sich einer bemüht oder clever genug ist, dass es egal ist, ob er in der Stadt oder am Land lebt. Der macht sowohl in der Stadt als auch hier sein Ding.

jemand, der einen persönlichen Lebensstil entwickelt hat und sich dadurch von anderen abhebt.

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